Die Vorfreude auf die neue Saison in der Regionalliga Nordost ist in diesem Jahr besonders groß. Mit dem FC Erzgebirge Aue, dem Chemnitzer FC und dem FSV Zwickau treffen erstmals seit Langem wieder drei sächsische Traditionsvereine in einer Spielklasse aufeinander. Unter dem Motto „In den Farben getrennt, im Ziel vereint.“ diskutierten Cheftrainer Khvicha Shubitidze und Sport-Vorstand Jens Haustein von Erzgebirge Aue, Cheftrainer Benjamin Duda und Geschäftsführer Tommy Haeder vom Chemnitzer FC, sowie Cheftrainer Rico Schmitt und Geschäftsführer André Beuchold vom FSV Zwickau bei einem „Gipfeltreffen“ der Freien Presse am 21. Juli 2026 in Chemnitz über die sportlichen Herausforderungen, die Aufstiegschancen und die besondere Atmosphäre der Derbys.
Themen waren zudem die stockende Regionalliga-Reform, Randale und Bengalos in den Stadien, sowie die sportliche und wirtschaftliche Lage der Vereine. Viele Fans nutzten zudem die Gelegenheit, ihre Fragen direkt vor Ort zu stellen.
Viel diskutiert wurde bereits vor der Veranstaltung. So treffen wir vor dem Artrium auf Christian, David und Thomas aus dem Erzgebirge, die sich neugierig in der für sie neuen Ligaumgebung zu orientieren scheinen. Auch wenn der Abstieg ihrer Wismut "schon sehr weh tat", blicken sie wieder optimistischer in die Zukunft. Christian, hat beim letzten Vorbereitsungsspiel gegen Revierpartner Schalke 04: "eine durchaus gut eingespielte Auer Mannschaft gesehen, die insgesamt einen gefestigten Eindruck gemacht hat."

Christian, David und Thomas aus dem Erzgebirge (v.l.) Foto: z2000/bde
Für die neue Saison wünscht sich das Trio eine stabile Meisterschaft und dass es wieder Spaß macht, ins Stadion zu gehen. Auf die Frage, welches Derby unbedingt gewonnen werden sollte, haben die drei unterschiedliche Meinungen. Für David ist es ganz klar der CFC: "Das ärgert mich immer besonders in Chemnitz auf soviel Ablehnung zu stoßen." Christian sieht es dagegen so:
"Ich wünsche mir gegen Chemnitz und Zwickau jeweils ein Unentschieden. Das wäre das Beste."
Diese diplomatische Antwort hat tiefe Wurzeln, denn Christian ist gebürtiger Zwickauer, der noch zu Zweit-Liga-Zeiten dem FSV im Westsachsenstadion die Daumen gedrückt hat. Doch nach einem Umzug ins Erzgebirge hat er eine neue Liebe gefunden. "Das hat sich halt so ergeben." Auch findet er die Verbundenheit des Vereins mit der Region ausgeprägter, wie zum Beispiel:
"Das zum Schulanfang in vielen Regionen des Erzgebirges in jeder Zuckertüte ein Lila-Trikot steckt." Wo stecken eigentlich die geklauten Vereinsfahnen, wollen wir noch wissen. Für Christian, der mit den Schultern zuckt, ist klar: "Das war eine ausspionierte Sache und das 'Wie' der ganzen Aktion ist schon sehr grenzwertig. Ich fürchte, dass die in der Saison irgendwo auftauchen werden." Das findet er absolut bescheuert, genauso wie den brutalen Überfall von gewaltbereiten Hooligans des FC Erzgebirge auf mitgereiste Fans des FSV Zwickau im Juni 2025 während eines B-Junioren-Landesligaspiels. Und Thomas wirft die Frage auf: "Wie kann man sowas nur machen?"

Geschäftsführer André Beuchold, Cheftrainer Rico Schmitt, Moderator Alexander Schubert, Geschäftsführer Tommy Haeder, Cheftrainer Benjamin Duda
Agressivität in den Stadion ist später bei der Podiumsdikussion ebenso ein vieldiskutiertes Thema, wie die Never-Ending-Story Regionalligareform, die CFC-Geschäftsführer Tommy Haeder nach wie vor mit viel Herzblut vorantreibt. Da geht der von FSV-Cheftrainer Rico Schmitt eingeworfene Vorschlag die ersten drei Ligen auf 20 Mannschaften aufzustocken und darunter eine vierte Profi-Liga anzusiedeln, schon fast unter.

Geschäftsführer André Beuchold und Cheftrainer Rico Schmitt bei bester Laune, Foto: z2000/bde
Überhaupt war die von Alexander Schubert vom MDR moderierte Diskussion erfrischend und abwechslungsreich und nicht immer bierernst. So erfuhren die Anwesenden vom CFC-Trainer Benjamin Duda, dass gegen jeden Gegener zweimal gespielt werden muss und er den augenzwinkernden Auftrag erhielt nach 12 Spieltagen 36 Punkte zu haben. Für Cheftrainer Khvicha Shubitidze von Erzgebirge Aue ist klar, dass am ersten Spieltag: "irgendeiner mit Handschuhen im Tor stehen wird." und FSV Geschäftsführer André Beuchold verwies auf die alternative Anreisemöglichkeit nach Westsachsen via Privatflugzeuz, da die Start -und Landegbühr beim Aeroclub mit 8 Euro immer noch billiger sei, als das Langzeitparken in Zwickaus Innenstadt.

Irgendeiner mit Handschuhen wird im Tor stehen. Cheftrainer Khvicha Shubitidze und Sport-Vorstand Jens Haustein (v.l.) Foto: z2000/bde
Auf die Frage, wo sie am Ende der Saison ihre Mannschaften sehen, hielten sich die Übungsleiter bedeckt. Für die drei Protagonisten vom Anfang ist das allerdings ganz klar der FC Erzgebirge. Chemnitz und Zwickau sehen sie auf Platz 3 und 4, dazwischen Jena oder Halle.
