Statt Süßes gab’s Saures
Manchmal liegt die sportliche Wahrheit schmerzlich nah beieinander. Da wollte der FSV Zwickau aus den Fehlern des Chemnitz-Spiels lernen, endlich die geforderte Giftigkeit auf den Rasen bringen und im ewig jungen Derby gegen die Veilchen aus Aue die ersehnte Nagelprobe bestehen.
Das Resultat?
Ein klassischer Fehlschlag und die schmerzliche Erkenntnis, dass sich der FSV einmal mehr als verlässlicher Aufbaugegner für einen kriselnden Erzrivalen erwiesen hat.
Trainer Rico Schmitt sah seine Elf vor dem Spiel zwar gut „gerüstet“ und „aufmunitioniert“ – wie sich zeigte, hatten das einige Stadionbesucher auf ihre ganz eigene unrühmliche Art und Weise jedoch fehlinterpretiert. Dass die Partie nach einem lautstarken Pyro-Intermezzo inklusive unschöner Begleiterscheinungen erst einmal unter Schockstarre stand, half den Rot-Weißen reichlich wenig. Statt mit kühlem Kopf dagegenzuhalten, wirkte das Team wie gelähmt. ⚽
Der erhoffte Lerneffekt?
Verpufft. Die sportliche Quittung? Die bittere Derbyniederlage, die tiefer blicken lässt als nur auf die Anzeigetafel.
Die Realität:
Der FSV ist nur noch Mittelmaß.
Wer Woche für Woche den großen Samariter für angeschlagene Konkurrenten spielt, landet im sportlichen Fahrstuhl schneller im Keller, als ihm lieb sein kann. Und Kompassmodell hin oder her: Jede Aufstiegsdebatte hat auch eine Abstiegsseite. Ein Sprung nach oben ist für den FSV in der Regionalliga derzeit ungefähr so realistisch wie ein ICE-Halt im idyllischen Mosel – doch der Verbleib in der Liga ist eben auch alles andere als ein Selbstläufer.
Dennoch gilt:
Panik ist ein schlechter Ratgeber. In Westsachsen muss man jetzt nicht in blinde Häme verfallen oder den Kader komplett redigieren. Die Mannschaft hat mit Spielern wie Lukas Albert, Theo Gunnar Martens und Max Somnitz unbestritten Typen in den eigenen Reihen, die das Zeug zum Unterschiedsspieler haben.
Die zentrale Aufgabe für das Trainerteam um Rico Schmitt wird es nun sein, diese fußballerischen Bausteine zu einem funktionierenden, stabilen Verbund zu schmieden. Dafür braucht es kein langes Kokolores, sondern knallharte Sachkenntnis, taktische Schärfe und das nötige Fingerspitzengefühl im Training und an der Außenlinie. Jetzt gilt es, den Blick nach vorn zu richten, die sportlichen Schwachstellen konsequent aufzuarbeiten und die Kräfte zu bündeln.
Denn eines ist sicher:
Nur mit geschlossener Mannschaftsleistung und konsequenter Arbeit auf dem Platz lässt sich das Ruder in den kommenden Wochen wieder herumreißen. Das Potenzial ist da – jetzt müssen Taten folgen!
⚽ Kleine Randnotiz: Bei aller sportlichen Euphorie bei den Derby-Schlachten – es geht schlicht und ergreifend um Fußball auf dem Rasen. Da lassen sich im prall gefüllten Vokabular des Trainers bestimmt auch ein paar Formulierungen finden, die ganz ohne Munition und Waffengleichheit auskommen! Da sollte die Rüstung im Schrank bleiben, solange es auf dem Platz ordentlich scheppert!
